1 „Die Gruppe der 20“

Demokratischer Beginn:
Die „Gruppe der 20“

Im Oktober 1989 schreiben die Dresdner am Hauptbahnhof Revolutionsgeschichte. Am 8. Oktober bildet sich unmittelbar auf der Straße die erste per Akklamation gewählte Sprechergruppe der Demonstranten: die „Gruppe der 20“.
Die innenpolitische Situation der DDR spitzt sich im Sommer 1989 zu: Nach den Protesten gegen die gefälschte Kommunalwahl im Mai stimmen immer mehr Menschen nunmehr „mit den Füßen“ ab: Sie reisen in den Westen aus und besetzen zu Tausenden die westdeutschen Botschaften des Ostblocks. Am 1. Oktober fährt der erste, mit DDR-Flüchtlingen voll besetzte Zug von Prag über Dresden nach Hof. Trotz Absperrungen und rigider Kontrollen gelingt es drei Personen, auf den langsam fahrenden Zug aufzuspringen. Am 3. Oktober schließt die DDR die Grenze zur CSSR, am 4. fahren wieder Züge mit Botschaftsflüchtlingen nach Hof. Einige tausend Menschen sammeln sich mit den Rufen „Wir wollen raus“ am Hauptbahnhof. Polizei und Nationale Volksarmee (NVA) sind im Einsatz. Es kommt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen: Pflastersteine fliegen, Wasserwerfer fahren auf, zahlreiche Festnahmen folgen. Viele Dresdner Kirchen helfen daraufhin den Angehörigen bei der Suche nach den Inhaftierten und rufen alle Demonstranten zur Gewaltfreiheit und zum Dialog auf.
Am 7. Oktober 1989, dem 40. Geburtstag der DDR, ändert sich der Charakter der Proteste spürbar. Ein Demonstrationszug mit den Rufen „Wir bleiben hier“ und „Keine Gewalt“ läuft durch die Innenstadt und ist auch in der offiziellen Feierstunde im Dresdner Rathaus zu hören: Ein Schock für die Machthaber.
Der setzt sich am Abend des 8. Oktober fort. Auf der Prager Straße fordern die Demonstranten die aufmarschierten Polizisten zum gewaltfreien Dialog auf. Superintendent Christoph Ziemer, Landesbischof Johannes Hempel und Oberlandeskirchenrat Reinhold Fritz sprechen im Rathaus mit Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer. Angesichts der Lage sieht der sich gezwungen, dem Dialog mit dem Volk zuzustimmen. Schließlich geschieht, was kaum jemand für möglich hielt: Per Akklamation wählen die Demonstranten spontan 20 Vertreter aus der Menge. Sie fordern die Freilassung der politischen Gefangenen, gewaltfreien Dialog, Reisefreiheit, Pressefreiheit, Wahlfreiheit, Recht auf friedliche Demonstrationen, Einführung eines Zivildienstes und die Legalisierung des Neuen Forums. Mit der „Gruppe der 20“ treten erstmals in der DDR frei gewählte Vertreter in den direkten Dialog mit der SED-Nomenklatura.